Wann lohnt sich die Vertragsprüfung?
Die ehrliche Antwort beginnt mit der Gegenfrage nach dem Risiko, nicht nach dem Vertragswert. Ein Mietvertrag über Standardfläche braucht selten dieselbe Tiefe wie ein Liefervertrag mit Vertragsstrafen, ein NDA selten dieselbe wie ein Vertriebsvertrag mit Exklusivität und Mindestabnahmen. Prüfungsbedürftig sind Verträge, die lange laufen, hohe oder unbegrenzte Haftung vorsehen, geistiges Eigentum berühren, ausländischem Recht oder ausländischen Gerichtsständen unterliegen oder von der Gegenseite als „Standard" präsentiert werden, denn Standard heißt: von deren Anwälten für deren Interessen entworfen.
Wirtschaftlich rechnet sich die Prüfung über die Asymmetrie der Beträge: Die Kosten der Prüfung sind drei- bis in der Regel niedrig vierstellig planbar, die Kosten einer übersehenen Haftungsklausel, einer unwirksamen Kündigungsregelung oder eines Gerichtsstands am Sitz der Gegenseite sind es nicht. Hinzu kommt der Verhandlungseffekt, der regelmäßig unterschätzt wird: Wer mit einer fundierten Redline in die Verhandlung geht, verschiebt den Vertrag messbar zu seinen Gunsten, weil die Gegenseite die meisten sachlich begründeten Änderungen akzeptiert, wenn sie professionell vorgetragen werden.