Welches Recht sollte im Vertrag gelten?
Bei grenzüberschreitenden Handelsverträgen erkennt das ukrainische Recht die von den Parteien getroffene Rechtswahl an. Diese können ihren Vertrag deutschem oder ukrainischem Recht unterstellen, ebenso einer dritten Rechtsordnung. Diese Freiheit ist der Ausgangspunkt jeder Verhandlung. Die allgemeinen Grundsätze von Rechtswahl und Gerichtsstand in internationalen Verträgen werden in einem eigenen Beitrag behandelt, hier geht es um die ukrainischen Besonderheiten.
Deutsches Recht bietet dem deutschen Partner Vertrautheit und eine ausgereifte Vertragsdogmatik. Dies hat jedoch einen praktischen Preis: Wenn der Vertrag in der Ukraine gelebt und notfalls durchgesetzt werden muss, etwa bei Bau- oder Lieferleistungen vor Ort, treffen deutsche Rechtsbegriffe auf ukrainische Register, Behörden und Gerichte. In solchen Fällen kann ukrainisches Recht der glattere Weg sein, gerade wenn Sicherheiten, Grundstücke oder öffentlich-rechtliche Genehmigungen im Spiel sind. Die Rechtswahl sollte deshalb nicht reflexhaft zugunsten des eigenen Rechts getroffen werden, sondern dort, wo der Vertrag seinen Schwerpunkt und sein Durchsetzungsrisiko hat.