Warum ist das vertragliche Haftungsregime so wichtig?
Beim Share Deal erwirbt der Käufer rechtlich Anteile. Die Zielgesellschaft mit ihren Vermögenswerten und Verbindlichkeiten bleibt bestehen. Das gesetzliche Kaufrecht bietet für den Zustand des Unternehmens nur begrenzten und im Einzelfall unsicheren Schutz. Deshalb regelt das SPA eigenständig, für welche Aussagen der Verkäufer einsteht und welche Rechtsfolgen eine Abweichung hat.
Der Vertrag sollte insbesondere unterscheiden zwischen:
Den Ausgangspunkt bilden Fundamentalgarantien zu Existenz, Eigentum, Verfügungsbefugnis und Kapitalisierung sowie operative Garantien zum laufenden Geschäft. Steuergarantien und eine eigenständige Steuerfreistellung werden regelmäßig separat behandelt. Für identifizierte Einzelrisiken kommen spezifische Freistellungen hinzu.
Covenants regeln das Verhalten vor und nach Closing. Offenlegung und Kenntnisqualifikationen bestimmen, welche Informationen Ansprüche ausschließen oder begrenzen. Schwellen, Caps und Fristen bilden das allgemeine Haftungsregime; eine W&I-Versicherung kann Teile davon wirtschaftlich auf den Versicherer verlagern, ohne jede verbleibende Verkäuferhaftung zu beseitigen.
§ 442 BGB betrifft die gesetzlichen Mängelrechte bei Kenntnis des Käufers. Er entscheidet nicht automatisch über Ansprüche aus einem selbständigen vertraglichen Garantieversprechen. Dafür ist maßgeblich, was die Parteien im SPA zu Knowledge, Disclosure und Ausschluss von Ansprüchen vereinbaren.
Auch Due-Diligence-Kenntnis wirkt deshalb nicht pauschal. Manche Verträge sehen vor, dass nur im Disclosure Letter konkret offengelegte Tatsachen qualifizieren. Andere beziehen den gesamten Datenraum ein oder lassen bestimmte Garantien unabhängig von Kenntnis gelten. Diese Architektur muss bewusst verhandelt werden.