Warum die Due Diligence in der Region anders verläuft
Die Besonderheiten beginnen bei Sprache und Dokumentation. Verträge, Registerauszüge und behördliche Bescheide liegen regelmäßig nur in der Landessprache vor; zentrale Unterlagen stammen teilweise aus einer Zeit, in der Transaktionen kürzer dokumentiert und gesellschaftsrechtliche Vorgänge weniger konsistent festgehalten wurden. Wer sich auf übersetzte Zusammenfassungen beschränkt, verliert leicht die Nuancen, in denen das eigentliche Risiko liegt.
Hinzu kommt die historische Entwicklung vieler Targets. Zahlreiche Gesellschaften sind aus Privatisierungen der 1990er Jahre hervorgegangen. Ihre Anteils- und Eigentumsgeschichte reicht damit in eine Phase zurück, in der Übertragungen, Kapitalmaßnahmen oder staatliche Genehmigungen nicht durchgängig nach heutigen Standards dokumentiert wurden. Die Prüfung muss diese Kette bis zu ihrem Ursprung nachvollziehen, weil ein früher Fehler auch den heutigen Rechtserwerb infrage stellen kann.
Die Due Diligence setzt deshalb andere Schwerpunkte: stärker auf Titel, Eigentum, frühere Übertragungen, Registerqualität und betriebliche Genehmigungen; weniger auf die bloße Abarbeitung eines standardisierten deutschen Fragenkatalogs. Entscheidend ist nicht, ob ein Dokument formal anders aussieht als erwartet, sondern ob dahinter ein materielles Risiko steht.
Hinzu kommt, dass Verkäufer in der Region den Umfang einer Due Diligence gelegentlich als Misstrauen deuten. Ein erfahrener Berater vor Ort weiß, welche Unterlagen üblicherweise vorhanden sind, welche fehlende Dokumentation ein echtes Warnzeichen ist und welche schlicht der lokalen Praxis entspricht. Diese Einordnung trennt das Risiko vom bloßen Formmangel.